Die Berührung des Liebsten

Der Liebste fragte: Wie würdest du gerne von mir berührt werden?

 

Die Liebste antwortete: Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als würdest du morgen weggehen, weit weit weg und als hättest du das Bedürfnis, dich daran zu erinnern, wie sich mein Körper anfühlt: die Beschaffenheit meiner Haut, die Hügel und Täler, die meine Landschaft malen und dir die zeigen, wer ich bin.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wärst du blind, im Wissen, dass du mich liebst, aber mich nie sehen kannst. Berühre mein Gesicht, meine Brüste, meinen Bauch, meine Zehen… lerne, wie ich „aussehe“. Stelle dir vor, wie ich bin, während deine Hände meine Form erforschen.

 

Ich wünsche mir, dass du mich berührst, als würdest du dich durch deine Hände ernähren. Esse von mir, trinke von mir und schöpfe mit deinen Händen die Liebe aus mir, die ich für dich empfinde.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als würdest du mich mit deinen Händen ernähren und mich satt und zufrieden machen. Jeder Zentimeter von mir ruft nach deiner Berührung, sehnt sich danach, gefüttert zu werden.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wäre deine Hand eine Feder, die sanft entlang der Grenze meines Wesens fährt.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so streichelst, als wären deine Hände Pinsel – und während du mich streichelst, bemalst du mich mit leuchtenden, glitzernden und schillernden Farbtönen.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als würdest du meine äussere Hülle auflösen und mir erlauben, dir mein inneres Wesen zu offenbaren.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als hättest du eine Skulptur geschaffen und würdest jetzt ihre endgültige Form erfühlen, die letzten rauhen Oberflächen glätten und dich an deinem fertigen Werk begeistern.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als hättest du Feuerhände, die alle Schlacken wegbrennen, sodass sich das reine Gold meiner Seele zeigen kann.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wären deine Hände Schwämme, die die Essenz meines Wesens aufsaugen.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so streichelst, als wäre ich aus getrocknetem Ton und du würdest meine Haut befeuchten und so meine Seele beleben.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wäre meine Haut weicher Samt.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wärst du ein Musiker und als würde deine Berührung verschiedene Töne an verschiedenen Stellen meines Körpers hervorbringen.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wäre ich ein seltener Edelstein, wertvoll und kostbar.

 

Ich wünsche mir, dass du mich so berührst, als wäre ich deine Liebste.

 

Diana Daffner, übersetzt aus dem Englischen von LuciAnna Braendle