Methode: Circle of Courage

Der Kreis der Stärke

Circle of Courage
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Der Circle of Courage (der Kreis der Stärke oder Kreis des Mutes) ist ein psychologisches Erklärungsmodell für die Entwicklung des Menschen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Mensch verschiedene, sich auf einander beziehende Phasen durchläuft. Mut wurde schon immer als eine „Schlüssel-Tugend“ im westlichen Denken betrachtet. Stanley Coopersmith* bezeichnet 4 grundlegende Komponenten der menschlichen Entwicklung: Bedeutung, Kompetenz, Macht und Wirksamkeit. Dieses auf indianische Tradition der Erziehung beruhende Modell ist ähnlich wie das Lebensrad der 4 Schilde aufgebaut. Die 4 Komponenten ernähren sich nicht nur gegenseitig, sondern bedingen sich. Ausgehend von einem fundamentalen Respekt gegenüber dem Menschen bildet der Kern eines sicheres Selbstgefühls und einer wirksamen Selbstbeziehung die ACHTUNG sich selbst gegenüber und das Gefühl, in einem Kreis der Stärke (Circle of Courage) gehalten zu sein.

*Literaturverzeichnis: Stanley Coopersmith (1967) the antedecents of self esteem. San Francisco: W.H.Freeman

Der Geist der Zugehörigkeit – „ich bin geliebt“

Das Gefühl der Zugehörigkeit entwickelt sich bereits in der Kindheit. Eine fürsorgende und fördernde Umgebung bestärkt das Gefühl der Gemeinschaft und der Zugehörigkeit. Menschen mit gesund entwickeltem Selbstannahmegefühl sind aufnahmebereiter und respektvoller ihrer Umgebung gegenüber. Auch als erwachsene Menschen suchen wir Gefühl von Gemeinschaft durch Selbstidentifikation (z.B. ich fühle das Gleiche wie Du und gehöre deshalb zu dir) und Fremdidentifikation (z.B. ich trage das gleiche T-shirt wie mein Verein und gehöre deshalb dazu). Doch oft bleibt der Versuch in einem Pseudogemeinschaftsdenken stecken. Wahre Zugehörigkeit ermöglicht gelebte Individualität in einem Kreis von Gleichen. Unterschiedlichkeiten sind nicht Grund zum Ausschluss, sondern Bestandteil der Ganzheit. Menschen mit einem gebrochenen Kreis der Stärke können sich schnell verlassen fühlen oder drehen sich vorwiegend um sich selber.

Das Gefühl der Zugehörigkeit beschränkt sich nicht nur auf den Kreis der Ursprungsfamilie, sondern darüber hinaus auf das ganze zugehörige Feld wie Kultur, Freundeskreis, Religion usw. bis hin zu einer spirituellen Verbundenheit mit Natur und höheren Mächten. Alles ist miteinander verbunden.

Der Geist des „sich Bewährens“ – „Ich bin kompetent“

Zusätzlich zu den sozialen Bedürfnissen streben Menschen dazu, ihre Umwelt zu meistern. Wenn das Bedürfnis, kompetent sein zu können, befriedigt ist, ist die Motivation bestärkt, auch weiterhin etwas erreichen zu wollen. Oder anders gesagt: hat der Mensch Kompetenzen im Handeln, ermächtigt dies ihn zu noch höherer Leistung. Die Möglichkeit seine Fähigkeiten zu zeigen, erzeugt sowohl soziale Beachtung und innere Befriedigung und damit eine kraftvolle innere Verstärkung. Wer der Gelegenheit beraubt ist, erfolgreich zu sein, drückt seine Frustration im Rückzug in die Hilflosigkeit und Minderwertigkeit oder in der Verhaltensauffälligkeit aus.

Das Streben, ein persönliches Ziel zu erreichen und dies mit anderen zu teilen im Geist einer fördernden Würdigung, ermächtigt zu Selbstkompetenz.

Der Geist der Wahrhaftigkeit – „Ich entscheide“

 

Entscheidungen für selbst auferlegte Ziele treffen zu können, nährt die Motivation, Ziele zu erreichen und die Verantwortung für Erfolge und Fehler zu übernehmen, dies im Gegensatz zur Erreichung von fremddefinierten Zielen. Entscheiden zu können, setzt Ermächtigung durch Andere oder sich Selbst voraus. Kinder, die aufwachsen im Geist, dass sich widersprüchliche Handlungen und Bedürfnisse nicht konkurrieren sondern zu einem Ganzen gehören, verfügen als Erwachsene über mehr Freiheit, entscheiden zu können. Die Gegensätze von Autonomie und Zugehörigkeit und „Richtig und Falsch“ erweitern sich zu „sowohl - als auch“.

 

Die Kompetenz der Selbständigkeit gelebt in einem sozialen Umfeld und nicht in isolierter Autonomie, führt zu Respekt gegenüber Anderen und Anderem.

Der Geist des „Geben Können’s“ – „Ich sehe Dich“
Das Erkennen der eigenen Wahrheiten als Teil von vielen anderen Wahrheiten bedingt innere Grosszügigkeit. Ohne Zurückhaltung wichtige Dinge weggeben zu können, erfordert ein gewisses Mass an selbstlosen, wirklichen Altruismus. Wenn Menschen sich für eine Sache einsetzen können und Abstand nehmen zur Haltung „Zuerst komme ich“ steigern sie nicht nur ihr Selbstwertgefühl, sie schliessen sich auch der ultimativen Quelle für die Lösung von Lebenskonflikten an. Denn in dem man sich der Hilfe für andere zuwendet, wird man frei von der Beschäftigung mit sich selbst. Der Geist der Grosszügigkeit als gelebte Tugend im Gegensatz zu einem selbstorientierten Pseudo-Altruismus führt zur Übernahme von Verantwortlichkeiten und zum Verständnis für grössere Zusammenhänge. Durch die Vorstellung der Verwandtschaft mit allem wird das Entwickeln von Mitgefühl gefördert.

 

Literaturhinweis:

Larry Brendtro, Martin Brokenleg und Steve van Bockern
Kindheit und Jugend zwischen Entmutigung und Zuversicht
Verlag Edition Erlebnispädagogik, Lüneburg, ISBN 3-89569-010-4



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