die Visionssuche als Methode zum tieferen Verstehen des Selbst

Jede Visionssuche bedeutet auf der Strasse der Entscheidung unterwegs zu sein – hin zum Tod. Doch dieses Sterben bedeutet nicht das Ende, sondern die Geburt von etwas Neuem. In diesem Übergangsritual ist die Natur der grosse Begleiter. Die Stimmen der Tiere, des Windes, die aufgehenden Sonne, das Sternenlicht sind die Wiege, in denen das Alte zurückgelassen und das Neue Form annehmen kann.

 

In diesem uralten neuen Ritual geht es darum sich selbst zu erfühlen, zu erforschen und seine wahre Berufung herauszuschälen. Es dient der Innenschau, der Selbstsuche und damit der Heilung. Wie kaum ein anderes Ritual bieten die Tage des Alleinseins mit ihren kraftvollen Begegnungen in der Natur Raum für Erkennen und Bestätigung, was längst im Inneren angelegt ist. In den Tagen (oder manchmal Jahren) der Vorbereitung entwöhnst du dich von allem, was ausserhalb deiner Person liegt und dich bisher ausgemacht hat. Einmal Abschied genommen von Gewohntem bist du bereit über die Schwelle zu gehen, allein in die Natur und zu deinem heiligen Platz. Hier fällt ab was unwichtig geworden ist. Nur der Moment zählt – die Luft, der Regen, der schmerzende Rücken, der Hunger, das Singen. Ohne äussere Nahrung bist du den Launen und den Stimmungen der (inneren) Natur ausgesetzt. Vielleicht bist du niedergeschlagen, erleuchtet, gelangweilt, verzweifelt. Hier angelangt am Ende deines Selbstbildes gehst du weiter Schritt für Schritt hin um dich neu zu gebären. Da du nicht vor dir selber davon laufen kannst, setzt du dich mit deinem Verhalten und dessen Konsequenzen auseinander. Du kehrst zurück in die Gemeinschaft als Zeichen der Neugeburt und feierst den Abschied von der Vergangenheit. Du findest deine Identität ohne Täuschungen, denn keine andere Lehrerin ist authentischer als die (innere) Natur.